Scandium: Kosmisch selten
Scandiums kosmische Reise beginnt in den Atomkernen massereicher Sterne durch Siliziumbrennprozesse und Neutroneneinfangreaktionen. Diese Prozesse der stellaren Nukleosynthese finden während der letzten Entwicklungsphasen eines Sterns statt. Dabei entstehen Scandiumisotope, die sich während von Supernovaexplosionen in der Galaxie verteilen, allerdings in weitaus geringeren Mengen als häufigere Elemente.
Knappheit auf der Erde
Die Erdkruste enthält etwa 22 Teile pro Million Scandium. Damit ist es häufiger als Silber oder Quecksilber und paradoxerweise dennoch eines der seltensten kommerziell verfügbaren Elemente. Dieses Paradox beruht auf Scandiums geochemischem Verhalten: Es konzentriert sich nur selten in wirtschaftlich nutzbaren Erzvorkommen, sondern verteilt sich stattdessen weit in gesteinsbildenden Mineralien.
Vorkommen in Mineralien
Thortveitit ((Sc,Y)₂Si₂O₇) ist das einzige bekannte scandiumreiche Mineral und enthält bis zu 40 % Scandiumoxid. Thortveitit kommt jedoch nur in kleinen Mengen in norwegischen Pegmatiten und Lagerstätten auf Madagaskar vor und reicht daher nicht für die weltweite Scandiumnachfrage aus.
Das meiste kommerzielle Scandium fällt als Nebenprodukt bei der Uran- und Titanverarbeitung an. Die Seltenerdlagerstätte Bayan Obo in China und bestimmte australische Lateritlagerstätten enthalten Scandiumkonzentrationen von 100–300 ppm, die durch komplexe hydrometallurgische Verfahren gewonnen werden.
Globale Verteilung
Russland beherrscht die weltweite Scandiumproduktion aus der Verarbeitung von Uranmühlenrückständen und produziert 60–80 % der weltweiten Jahresversorgung von 15–20 Tonnen. China gewinnt Scandium aus der Verarbeitung seltener Erden, während Australien neue Gewinnungsverfahren aus Nickel- und Cobalt-Lateritlagerstätten entwickelt.
Rückgewinnung aus Rotschlamm
Bei der Aluminiumproduktion entstehen Millionen Tonnen Rotschlammabfall mit einem Scandiumgehalt von 100–150 ppm. Die Forschung konzentriert sich auf die wirtschaftliche Scandiumgewinnung aus diesem reichlich vorhandenen Abfallstrom, was die Verfügbarkeit von Scandium möglicherweise revolutionieren und die Umweltbelastungen der Aluminiumverarbeitung verringern könnte.